1 GRUNDLEGENDE ANGABEN UND AKTUELLE LAGE
1.1 Einführung
1.1.0 Prüfungsobjekt und Grundlagen der Untersuchung
1.1.1 Auswahl der zu untersuchenden Staaten
1.1.2 Der Balkanbund
1.1.3 Arbeitsziel
1.2 Basisinformationen
über Mazedonien
1.2.0 Geschichtlicher Abriss
1.2.0.1 Die antiken Mazedonier
1.2.0.2 Die Slawen
1.2.0.3 Das 1. Bulgarische Reich u. d. erste maz.Staat 1.2.0.4 Die autokephale mazedonische Kirche
1.2.0.5 Die Osmanen
1.2.0.6 Erste Widerstände gegen mazedonisches Autonomiestreben
1.2.0.7 Die Entstehung der mazedonischen Frage
1.2.0.8 Die kurzen Perioden eines freien Mazedoniens 1.2.1 Der Name Mazedonien
1.2.2 Die mazedonische Sprache
1.2.2.0 Die Sprachkodifizierung in den Nachbarstaaten
1.2.2.1 Die bulgarische Sprache
1.2.2.2 Die serbische Sprache
1.2.2.3 Die griechische Sprache
1.2.2.4 Die albanische Sprache
1.2.3 Das mazedonische Gebiet
1.3. Die Republik Mazedonien im Visier ihrer Nachbarn
1.3.1 Serben
1.3.2 Bulgaren
1.3.3 Griechen
1.3.4 Die drei Nachbarstaaten
1.3.5 Albaner
1.3.6 Die internationale Gemeinschaft
1.3.7 Die Fragestellung
Die Entwicklung des Balkanbundes bis zu den Balkankriegen
2 ... IN DEN BALKANSTAATEN
2.1 Serbien
2.1.0 Historische Einordnung
2.1.1 Vorausschau auf den Balkanbund und
Mazedonien 2.1.2 Serbien zwischen Österreich-Ungarn und
Bulgarien
2.1.3 Das serbische
Interesse an Mazedonien und das russische
Interesse an Serbien als Speerspitze gegen Deutschland 2.1.4 Autonomie oder Teilung 2.1.5 Der Ilinden-Aufstand 2.1.6 Der Nationalstaatsgedanke 2.1.7 Ein fundamentales serbisches Dokument über
Mazedonien 2.1.8 Serbien – Altserbien (Kosovo) – Mazedonien 2.1.9 1908 – die Annexion Bosniens 2.1.10 Serbisch-bulgarische Abgrenzung der
Interessengebiete
2.1.11 Konferenz der slawischen Sozialdemokraten 2.2.12 Der status quo
2.2 Bulgarien 2.2.0 Geschichtlicher Rückblick 2.2.1 Fürst Alexanders Pläne bezüglich
„Macedoniens“ 2.2.2 Ein erster Vertragsentwurf über den
Balkanbund 2.2.3 Falsche Bulgaren – echte Mazedonier: Die
VMRO 2.2.4 Ausländische Einflussnahme zugunsten des
Balkanbunds
gegen Deutschland und
Österreich-Ungarn 2.2.5 Ein für Mazedonien äußerst wichtiges
bulgarisches Dokument
2.3 Griechenland 2.3.0 Aspekte der griechischen Geschichte 2.3.1 Griechenland, der 8. russisch-türkische
Krieg und der Berliner Kongress 2.3.1.1
Hintergrundinformationen (1)Griechenland unterhält enge dynastische Verbindungen in Europa (St. Petersburg,
London) 2.3.1.2
Hintergrundinformationen (2)Eine neue dynastische Periode im griechischen Königshaus (Berlin) 2.3.2 Griechisch-bulgarische Sondierungen wegen
Mazedoniens 2.3.3 Das Wesen der griechischen Strategie 2.3.4 Griechisches Werben um Österreich-Ungarn 2.3.5 Bismarck befürchtet Unruhen in Mazedonien 2.3.6 Die griechische Presse fordert Mazedonien 2.3.7 Griechische Minderheitenpolitik:Die Rumänische Kulturpolitik
behindere die Gräzisierung Mazedoniens 2.3.8 Griechischer Ex-Premier sondiert Teilung Mazedoniens
2.3.8.1 Hintergrundinformationen (3) König Georgs Finanz-
und Familienpolitik 2.3.9 Kreta und der griechisch-türkische Krieg 2.3.9.1 Hintergrundinformationen (4) König Georg arbeitet
weiter an den außenpolitischen Beziehungen Griechenlands 2.3.9.2 Hintergrundinformationen (5) Georg I.komplettiert
sein dynastisches Netzwerk (Paris) 2.3.10 Das
Monarchentreffen in Reval1908:Ein Schlüsselereignis für Mazedonien - und für den
Zweibund 2.3.10.1 Hintergrundinformationen (6) Georg I. setzt seinen
Kampf um Griechenlands Machtsteigerung unvermindert fort 2.3.11 Griechenland
und die Türkei pokern um den Balkanbund 2.3.12 Auftakt zum
griechisch-bulgarischen Bündnis und zum
Balkanbund 2.3.12.1 Hintergrundinformationen (7) Die Kontinuität im
Zusammenhalt der europäischen Dynastien
ist gewahrt
2.4 Rumänien 2.4.0 Historischer Abriss 2.4.1 Rumäniens
Schwanken zwischen Bündnispolitik und
Neutralität 2.4.2 Das weitere rumänische Beziehungsgeflecht
mit dem Ausland
2.5 Albanien 2.5.0 Auszug aus der albanischen Geschichte 2.5.1 Splitter aus der Berichterstattung
3 ...IM OSMANISCHEN REICH 3.0 Blick in die Geschichte 3.1 Konstantinopel
und Mazedonien als Kreuzungspunkte fremder Interessen 3.2 Das türkische Dilemma bei der Wahl von
Gegenmaßnahmen 3.3 Die Jungtürken – zwischen Balkanbund und
Zweibund 3.4 Die Phalanx gegen Mazedonien formiert
sich 3.5 Der Ring um Konstantinopel wird enger 3.6 Rückblick eines Botschafters – und
Ausblick 3.7 Die Entscheidung naht
4 ... BEI DEN EUROPÄISCHEN GROSSMÄCHTEN
4.1 Russland 4.1.0 Auszüge aus der russischen Geschichte in
Bezug auf den
Balkan 4.1.1 Russland betreibt das Projekt eines
Balkanbundes 4.1.2 Russland setzt seine Politik auf dem Balkan
verstärkt fort 4.1.3 Die russische Strategie bleibt beharrlich,
wird aber undurchschaubar:
Drohende Anzeichen
4.2 Österreich-Ungarn 4.2.0 Österreichs geschichtliche Rolle auf dem
Balkan 4.2.1 Österreichs Drang zum Balkan 4.2.2 Der Zweibund 4.2.3 Wieder eine verpasste Chance für Mazedonien 4.2.4 Die Mazedonier dringen auf Erfüllung der
türkischen Verpflichtungen 4.2.5 Erste Anzeichen für die negativen Folgen des
Zweibundes
4.2.6 Nochmals 1908,
- einschließlich der antideutschen Propaganda
Londons wegen des geplatzten russisch- österreichischen Handels „Bosnien gegen Meerengen“
4.3 Großbritannien 4.3.0 Historische Elemente der englischen
Balkanpolitik 4.3.1 Mazedonien als Figur auf dem Spielfeld der
englischen Balkanpolitik 4.3.2 Die englische Mazedonien-Politik aus
serbischer Sicht
4.4 Das Deutsche Reich, Frankreich, Italien 4.4.1 Das Deutsche Reich 4.4.1.1. Deutschlands ungewollte Rolle auf dem Balkan 4.4.1.2. Rückblick auf den Berliner Kongress 4.4.1.2.1. Hintergrundinformationen (8) Die Verkettung der Vorgänge um den Balkanbund mit der Entstehung des Ersten Weltkriegs und mit der Kriegsschuldfrage
4.4.2 Frankreich
4.4.3 Italien
5 DER BALKANBUND UND DIE BALKANKRIEGE
5.1 Die Gründung des Balkanbundes 5.1.1 Russland schafft die entscheidende
Voraussetzung zur Gründung
des Balkanbundes 5.1.2 Die strikte Geheimhaltung der Bündnis-Pläne
verbirgt weiter
reichende Absichten der Entente 5.1.3 Elemente des Ränkespiels der Entente 5.1.3.1
Stimmungsmache à la russe 5.1.3.2
Der Trick mit der Lokalisierung des Balkankrieges 5.1.3.3
Die angebliche Ablehnung territorialer Veränderungen 5.1.3.4
Die Mobilmachung(en) 5.1.4 Wilhelm II. durchschaut die Falle der
Entente 5.1.5 Der deutsche Kaiser, der griechische
Kronprinz und Mazedonien
5.2 Der 1. Balkankrieg 5.2.1 Das Ende des territorialen status quo – und
des Berliner Vertrags 5.2.2 Solun/Saloniki – eine griechische Stadt? 5.2.2.1
Solun als deutsch-griechische Reibungsfläche 5.2.2.2
König Georg I. und Saloniki 5.2.3 Das Intermezzo zwischen dem Waffenstillstand
und dem
Friedens-Vertrag
von London
5.3 Wieder eine Sensation: Russland betreibt
einen neuen Balkanbund 5.3.1 Die Formierung einer neuen Kriegskoalition
auf dem Balkan
5.4 Am „Rande des Abgrunds“ 5.4.1 Das russische Kommuniqué vom April 1913 5.4.2 Ein bulgarischer Racheakt bringt die
Wahrheit an den Tag
5.5 Der 2. Balkankrieg 5.5.1 Die griechische Landgier bleibt hybrid 5.5.2 König Konstantin I. setzt die griechische
Expansionspolitik fort
5.6 Nachlese 5.6.1 Ein überraschender türkischer Vorschlag
spricht Bände 5.6.2 Eine Kennerin des Balkans demonstriert ihren
objektiven Blick
für historische Zusammenhänge 5.6.3 Die Entente schmiedet weiter an einem großen
Balkanbund 5.6.4 Griechenland schmiedet weiter an seinem
Machtzuwachs 5.6.4.1
Hintergrundinformationen (9).
1. Das Ende der Dynastie in Griechenland
2. Von Sophie zu Sofia 5.6.5 Weiterer Nachweis der eigenständigen
mazedonischen Identität
Landkarte (mit den Grenzen des aufgeteilten Mazedoniens nach den Balkankriegen 1912/13 gemäß den Pariser Vorort-Verträgen 1919/20) Landkarte (mit den Grenzen der Republik Mazedonien seit 1944 und 1991)
Nach dem Erscheinen des Buches im Januar 2004 wurde
der Text – u. a. vor der Übersetzung in die mazedonische Sprache sowie in der
Erwartung einer eventuellen zweiten Auflage
- mehrfach überarbeitet. Aus dieser Fassung werden nachstehend die
Vorbemerkung und die ersten fünf Seiten als Leseprobe wiedergegebenZeile 2
1.
In dieser Arbeit wird auf der Basis unveröffentlichter
Aktenbestände des Politischen Archivs des Auswärtigen Amtes zum Thema
„Balkanbund“ die Eigenständigkeit des mazedonischen1 Volkes
nachgewiesen, – nicht eines bulgarisch-mazedonischen, nicht eines
griechisch-mazedonischen, nicht serbisch- und nicht albanisch-mazedonischen,
sondern des eigenständigen mazedonischen
Volkes.
Im Zentrum steht die Geschichte Mazedoniens unter der türkischen
Herrschaft in der Zeit zwischen dem Berliner Kongress und dem Ersten Weltkrieg,
wie sie sich in den Berichten der Auslandsvertretungen des Deutschen Reiches
aus den Hauptstädten der Großmächte und der Balkanstaaten niedergeschlagen hat. Nach der Einführung wird in den Kapiteln 2-4 die historische Entwicklung, die
zur Gründung des Balkanbundes führte, seit etwa 1878 - getrennt nach
geopolitischen Räumen - beobachtet, bis die Fäden in dem alle Länder
umfassenden Kapitel 5 zusammenlaufen und gemeinsam verfolgt werden: bis zur Gründung des
Balkanbundes, bis zu den Balkankriegen 1912/13 und teilweise bis 1914.
Es wird den Fragen nachgegangen, welche Erkenntnisse aus den Dokumenten
über die Politik der Nachbarstaaten und der europäischen Mächte gegenüber den
Mazedoniern und ihrer Identität
hervorgehen.
Diese Fragen stellen sich wieder, seit die vier Nachbarn
nach der historischen Wende 1989/90 dem mazedonischen Volk und seinem Staat,
der seit 1991 unabhängigen Republik Mazedonien, die Existenzberechtigung
streitig machen.
2. Im Rahmen der Untersuchung der Motive und Hintergründe der
Politik der Balkankönigreiche und der Großmächte gegenüber Mazedonien ergab
sich allmählich – sozusagen als Nebenprodukt – die überraschend hohe Bedeutung
des Balkanbundes als Instrument der Entente-Mächte bei der Inszenierung des Ersten
Weltkriegs: die Entente hatte Mazedonien den Balkanstaaten geopfert, um diese
zum Beitritt in die Entente - und somit zum Eintritt in den Weltkrieg - zu bewegen.
3.
Darüber hinaus zeigte sich in einer entscheidenden Phase
der deutsch-griechischen Beziehungen die unerwartet enge Verknüpfung der
mazedonischen Frage mit der Geschichte des Deutschen Reiches.
4.
Die Anregung zum Titel „Der mazedonische Knoten“ stammt
aus einem Artikel der Abendausgabe der österreichischen „Neuen Freien Presse“
vom 10. November 1902, in dem der berichtende Journalist mit den Initialen R.
L. den Inhalt eines Gesprächs mit dem Präsidenten eines Mazedonischen
Befreiungskomitees, Stojan Michailovski, wiedergab. Letzterer befand sich auf
einer Reise durch Europa, um „den Continent über die Lage in Macedonien
aufzuklären.“ Michailovski zitierte einen russischen General, der das aus dem
Asienfeldzug Alexanders des Großen stammende geflügelte Wort vom „gordischen
Knoten“ in Bezug auf Mazedonien anwandte, indem er sagte: „Die Faust, die den
macedonischen Knoten lösen wird, die werden Sie nicht daheim, sondern in Europa
finden.“ Der entsprechende Zeitungsausschnitt wurde damals als Anlage zum
Bericht der Kaiserlichen Botschaft in Wien, Nr. 213 vom 11.11.1902, in einem
Aktenband abgeheftet, der im Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes unter der
Registernummer R 13623 zu finden ist.2
Dieser auf fast mystische Weise tief in der Geschichte
verwurzelte Begriff gibt nach Ansicht des Verfassers die Komplexität der
Problematik um die heutige Republik Mazedonien anschaulich und treffend wieder
– und wirkt zugleich erstaunlich aktuell.
Mit fast derselben Berechtigung hätte auch eine andere,
ebenfalls griffige und gleichfalls sinngebende Überschrift gewählt werden
können, nämlich: „Ein Kampf um Mazedonien“, denn um einen solchen handelte es
sich, mit dem der Titel des berühmten Buchs von Felix Dahn („Ein Kampf um Rom“)
abgewandelt worden wäre.